kein Bock!

Ich bin so unglaublich wütend. Ja, ich weiß- gestern habe ich noch groß darüber geschrieben dass man jedes Gefühl lieben soll, einfach weil es zum Leben dazu gehört. Und ich sehe das auch immer noch so. Aber ich muss meine Wut rauslassen, sonst platze ich wahrscheinlich wie ne Wasserbombe (jap, genauso elegant). Warum ich so wütend bin? Darum:
Warum geben einem manche Menschen das Gefühl, dass man irgendwie, egal wie man sich auch bemüht, keinerlei Wertschätzung erhält? Ist es zu viel verlangt, nette Worte zu benutzen? Wann hat Gott (oder wer auch immer) festgelegt, dass man automatisch das Arschloch-Privileg erhält, nur weil man Stress hat oder grad ein paar komische Tage hat?
Okay. Es ist völlig unnötig sich aufzuregen und ich weiß, wie viel Energie ich schon in meinem Leben verschwendet habe (wie viele Glühbirnen würde ich wohl durch meine Wut zum leuchten bringen…?).
Aber ich will keine abweisenden Worte, wenn ich mich bemühe und nur das Beste für jemanden will. Ich will kein Danke oder sonst was, ich will Wertschätzung meiner Person. Ich habe kein Bock auf halbherzige Scheiße, ich will alles oder nichts.
Wie kann man jemanden abwertend behandeln, wenn man null Recht dazu hat, einfach weil die Person alles nur gut meint?

Da das alles viel zu kompliziert ist, werde ich jetzt mein Bier weitertrinken und die Menschen bemitleiden, die nicht in der Lage sind, das Wunderschöne in den Menschen zu sehen, die sich um sie bemühen und um sie sorgen.

Prost!

Werbeanzeigen

Schön.

Her mit dem schönen Leben!

Das steht auf einem Aufkleber, den irgendjemand mal an das Gehäuse an unserer Hauswand, wo die Klingelknöpfe befestigt sind, geklebt hat. Irgendwie muss ich immer lächeln, wenn ich täglich daran vorbeilaufe. Und jedes mal frage ich mich, was ein schönes Leben denn eigentlich für mich bedeutet.

In Zeiten, in denen nahezu jeder privilegiert sein kann (wenn er denn nur möchte), verlieren so viele Werte immer mehr an Bedeutung und ich gebe zu, dass mir das Angst macht. Dass wir in einer Konsumgesellschaft leben, brauche ich an dieser Stelle nicht ausweiten und das wird auch sicherlich kein Beitrag oder eine sanfte Kritik an  Massenkonsum und an die verschleierte schöne Welt auf Instagram und Co.

Ich muss an dieser Stelle nur loswerden, wie froh ich eigentlich bin, dass ich privilegiert bin-ich bin reich und zwar an Liebe in meinem Leben. Das Leben hat mir in vielen Phasen gezeigt, dass es manchmal keinen Spass macht, dass es anstrengend und schwer sein kann, manchmal weiß man nicht mehr weiter und oftmals gibt es Tage, Wochen oder Monate, in denen man einfach nur Dauer-traurig und schlecht drauf ist. Und trotzdem- am Ende zählen die Momente, in denen man wieder lachen kann, wieder Freude hat und vor lauter Glück Tränen in den Augen hat. Es sind Momente, die nichts mit teuren Smartphones oder neuen Kleidchen zu tun haben.

Es sind Momente, in denen im Club ein altes Lieblingslied läuft, zu dem ich schon mit 16 getanzt habe und es 12 Jahre später immer noch auf die gleiche bekloppte Art und Weise tue und es mir immer noch völlig egal ist, wie ich dabei aussehe und noch immer einen Menschen dabei habe, der genauso bescheuert mitmacht.

Es sind die kleinen Gesten meiner Freunde, wenn ich Stress habe, schlecht drauf bin und sie trotzdem zeigen, wie sehr sie mich mögen.

Es sind Momente in Hotelzimmern, wo man mit der besten Freundin einfach rumgammelt weil keiner Bock auf feiern hat und lieber im Bett bleibt und ich sie meinen dämlichen Verschwörungstheorien lauscht obwohl sie es wahrscheinlich für absolut bescheuert hält.

Es sind Momente, in denen ich auf meinem Handy lese „Ich vermisse dich und liebe dich. Kuss Mama“.

Es sind Momente voller Stolz und Erleichterung, wenn ich meinen Exfreund mit seiner neuen Freundin sehe und merke, dass ich nur noch Mitleid empfinde- aber nicht mehr für mich.

Es sind Momente , in denen ich in den Spiegel schaue und stolz auf meinen Körper bin und begreife, dass ich mich liebe, auch wenn die Waage seit einiger Zeit still steht.

Es sind Momente des Glücks, wenn meine Mitbewohnerin unseren letzten Streit genauso vergessen hat wie ich und sich freut, dass ich daheim bin und wir einfach friedlich zusammen leben und zusammen Quatsch machen können.

Es sind Momente der Dankbarkeit, wenn meine Gesundheit in Ordnung ist und ich jeden Moment auskosten kann, meine Beine mich unermüdlich bis morgens um 5 durch den Club tanzen lassen, auch noch den vierten Schnaps und den fünften Gin Tonic vertrage und den Weg heimfinde;)

Es sind Momente, in denen ich dankbar bin, dass ich Freunde habe, die Zeit mit mir verbringen wollen und fragen, wie es mir geht und wie meine Klausuren waren.

Momente voller Glück, die die Zweifel und Schatten der letzten Wochen wegwischen und  mich wieder stark und selbstbewusst werden lassen.

Es geht nicht um das Leben als Ganzes, sondern um die einzelnen, wundervollen Momente die wir erleben, nachdem wir wichtige Erfahrungen gesammelt haben. Am Ende ist das Leben einfach eine Aneinanderreihung von Emotionen, guten wie schlechten, aber will ich auf ein Leben zurückblicken, auf dass ich einigermaßen stolz sein kann- weil ICH es ausgekostet habe und für die Menschen, die ich liebe und die mich lieben, eine verlässliche und loyale Freundin und Partnerin war. Ich will alle schlechten Emotionen aufnehmen, damit ich die positiven, schönen Momente mit voller Energie genießen kann.

Die Erkenntnis, dass das Leben nicht immer positiv ist und wir auch die negativen Emotionen mitnehmen müssen, ist für mich der Schlüssel zu einem glücklichen Leben. Das Leben ist schön, aber schön bedeutet eben immer, beide Seiten zu akzeptieren zu leben.

Deswegen: Her mit allem, was das Leben bereit hält. Auf die nächsten Tränen, egal ob Glück oder Unglück, auf die nächsten langen Nächte, ob im stillen alleine oder tanzend zu 90ern mit den besten Freunden, ob schwitzend in der Uni und kurz vor der Verzweiflung oder chillend im Urlaub, ob genervt bei kaltem Kaffee und gestressten Kollegen, Liebeskummer oder Glückseligkeit.

Her mit dem schönen Leben.