Dinge akzeptieren

Ich habe schon länger den Drang, alles aufzuschreiben, was ich in den vergangenen Wochen gelernt habe. Wobei das wahrscheinlich der falsche Ausdruck ist. Ich glaube eher, dass die Dinge „zu mir gekommen“ sind.

Vor genau drei Wochen wurde ich mit meiner größten Angst konfrontiert. Ich habe mir diesen Moment schon lange ausgemalt und überlegt, wie ich wohl reagieren werde, wenn dieser Moment passiert. Was mit mir geschieht.
Was passierte? Mein Herz raste, mir wurde heiß und kalt gleichzeitig. Mir wurde schwindelig, die Tränen schossen in meine Augen. Ich weinte, ich schluchzte, mir war schlecht. Ich bekam drei Tage kaum einen Bissen runter.
Aber ich war immer noch da. Ich war immer noch „ich“. Ich merkte, dass es mir zwar schlecht ging, objektiv gesehen und ja, auch subjektiv. Aber ich merkte, dass da etwas in mir ist, was man nicht einfach zerstören kann. Ich bemerkte, dass ich trotz dieser Situation immer noch existieren kann, immer noch lachen kann, immer noch LEBEN kann.
Ich will jetzt hier nichts verschönern- ich war wirklich emotional „am Boden“ und meine Gefühle wechselten wie eine Achterbahn. Aber etwas war anders.
Warum passierte genau jetzt das alles? Und wie zur Hölle habe ich es geschafft, so ruhig zu bleiben? Wieso kann ich ihn nicht hassen? Wo er doch vermeintlich für meine Misere verantwortlich ist? Warum fühle ich mich trotz allem so sehr hingezogen zu diesem Menschen?
Was ist, wenn alle Dinge aus einem Grund passieren und wir einfach gar nichts dagegen machen können, dass sie überhaupt passieren?

Als wir uns kennengelernt haben, war alles wie in einem Traum. Und ich merkte schnell selber, dass natürlich jeder Traum mal abflaut. Es war immer noch schön, auch nach einigen Monaten. Jedoch war vieles anders. Ich bemerkte, dass eine gewisse Distanz entstand nach einiger Zeit. Je mehr Distanz herrschte, desto mehr bekam ich den Drang, alles zu kontrollieren. Ich wollte am liebsten alles wissen und dabei merkte ich zwei Dinge nicht:

1.) Ich vernachlässigte MICH
2.) Ich baute ein Gefängnis

Ein Gefängnis bauen, das hört sich hart an. Aber es war die Wahrheit. Ich baute es um mich und versuchte die Beziehung gleich mit einzuschließen. Ich dachte, wenn ich alles kontrollieren kann, dann kann absolut nichts passieren. Ich war fest davon überzeugt.

Und dann merkte ich, wie sich Dinge änderten. Wie sich mehr und mehr eine Distanz aufbaute.
Wie konnte es sein, dass sich aus meiner vermeintlichen Kontrolle genau das Gegenteil ergab von dem, was ich bezweckte? Ich vergaß mich dabei komplett selber.
Und auf einmal passierte genau das, wovor ich immer so Angst hatte. Das war der Moment, in dem ich begriff, dass all meine Bemühungen, alles zu kontrollieren, völlig umsonst gewesen sind. Das war der Moment, in dem ich begriff, dass ich keine Kontrolle habe. Denn es ist passiert, trotzdem. Ich merkte, dass Dinge einfach passieren und ich machtlos bin.
Ich trauerte ein paar Tage und dann fragte ich mich aber, was diese Situation bezwecken soll.
Und irgendwie fiel mir alles wie Schuppen von den Augen.
Ich kann nichts tun- Dinge passieren einfach. Ich kann gar keine Kontrolle haben-weil es die gar nicht gibt. Wie sonst hätte das alles passieren können?

Man kann Dinge nicht kontrollieren, denn sie passieren einfach. Das haben wir nicht in der Hand.
Ich habe versucht, Kontrolle in mein Leben zu bringen, weil ich mich nicht selbst geliebt habe. Ich habe mich nie selber akzeptiert und deswegen habe ich versucht, andere zu kontrollieren. Ich konnte mich nie fallen lassen.
Aber dass ich diese Zeit überstanden habe, hat mir auch gezeigt, wie liebenswert ich bin.

Und wie kann ich denn so böse sein auf den Menschen, der mich zwar verletzt hat, der ja aber eigentlich gar nichts dafür kann?
Mit dieser Theorie stößt man natürlich oft auf Gegner, da man es sich ja so leicht macht. Das finde ich aber gar nicht. Denn es ist alles andere als leicht, Dinge einfach zu akzeptieren. Ich glaube, dass es immer einfacher ist, zu hassen.

So habe ich mich also bewusst FÜR die Beziehung entschieden. Ich beschloss, die Akzeptanz in mein Leben zu lassen. Dass das nicht immer einfach wird, war klar und ich wusste auch, dass man manchmal wohl wieder einen Schubser auf den Weg bekommen muss. Aber ich merkte schnell, dass mein Partner der richtige sein wird, der mich begleiten wird. Und ich ihn.
Ich ließ mich auf alles ein. Auf den Schmerz, auf Tränen, aber auch auf die Liebe.
Denn ich kann nichts kontrollieren, ich kann mich nur auf alles einlassen und es akzeptieren.
Und das ist Freiheit.

Die positiven Effekte bemerke ich schon jetzt: meine Eifersucht, mein Kontrollzwang-weg. Ich konzentriere mich auf mich und das tut mir unheimlich gut. Die Beziehung läuft aktuell besser als je zuvor. Sie ist voll Liebe, Reife, voll Freiheit, Unterstützung.
Als wir gestern bemerkten, dass wir eigentlich seit drei Wochen nicht wirklich gestritten haben, waren wir total erstaunt-weil wir eigentlich gar nichts groß dafür gemacht haben.

Und geht es nicht genau darum? Sich fallen zu lassen, man selbst zu sein und eigentlich „nichts“ machen und trotzdem geliebt zu werden? Auch für „Fehler“ die man macht?
natürlich gehört für mich Treue in eine Beziehung. Aber ich habe nichts in der Hand. Ich lebe im JETZT-und das ist wundervoll. Was sein wird, liegt nicht in meiner Macht.
Egal was kommt, mein inneres Glück, meine Zufriedenheit, das kann nicht zerstört werden.
Ich bin dankbar für diese extreme Erfahrung.
Denn nun weiß ich, was Freiheit bedeutet und dass Liebe Freiheit und Freiheit Liebe ist.

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